Olivenöl-getestet von Stiftung Warentest

Share This:

Test entlarvt Schwindel beim Olivenöl und findet krebserregende Schadstoffe

  1. Januar 2016von Andreas WintererKategorien: Ernährung

Foto: © lbrienza – Fotolia.com

Stiftung Warentest nahm 26 Olivenöle unter die Lupe. Das Ergebnis möchte man sich weder über Salat noch Pasta gießen: Viele Olivenöle schmecken ranzig, enthalten Schadstoffe – und bei ihrer Herkunftsangabe wird zuweilen wohl auch gemogelt.

Für ihre Februar-Ausgabe holte sich die Zeitschrift test (ab 29.1. am Kiosk) 26 Olivenöle der Güteklasse „nativ extra“ ins Haus. Das Ergebnis: 13 sind „mangelhaft“, selbst vier der sechs Bio-Olivenöle im Test erhielten ebenfalls nur ein „mangelhaft“. Nur ein einziges Öl der höchsten Güteklasse schnitt mit „gut“ ab. Grund für die schlechten Bewertungen sind offenbar laxe Prüfmethoden und gesetzliche Vorgaben – so müssen Behörden in der EU offenbar nur eine Probe pro 1000 Tonnen prüfen.

Was der Test bei Olivenöl bemängelt

Häufig: Problematische Schadstoffe im Olivenöl.
Fünf Olivenöle schneiden wegen Schadstoffbelastungen „mangelhaft“ ab: Sechs sind mit Mineralöl-Kohlenwasserstoffen vom Typ MOAH belastet, und diese gelten als „potentiell krebserregend“. Gering belastet mit MOAH sind Alnatura Italienisches Oliven Ölund Gaea. Hoch belastet: Herdade Paço do Conde, L’Estornell Arbequina-Picual, Livio Natives Olivenöl und Mani Bläuel .
Ein weiteres Öl enthält sehr viele Mineralöl-Kohlenwasserstoffe vom Typ MOSH, die sich im Körper anreichern können. Die Tester fanden auch Weichmacher (möglicherweise aus Behältern und Schläuchen) und Pestizide. Auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) wurden gefunden, 15 der etwa 250 PAKs gelten als krebserregend. In einem Bio-Öl fand test sogar Styrol, eine Chemikalie aus dem Umfeld der Kunststoffproduktion, die im Verdacht steht, Lungenkrebs zu fördern.

Häufig: Etliche Olivenöle schmecken schlecht.
Bei sieben Ölen fielen den Testern „sensorische Mängel“ auf, sprich: sie schmeckten nicht gut. Nun ist Olivenöl auch Geschmackssache, aber die Rede ist von „stichig, modrig, ranzig“ und gar von „wurmstichig“. In einem Fall griffen die Tester gar zur Formulierung „wurmstichig durch Olivenfliege“.

Häufig: Beim Etikett wird geschwindelt und behauptet.
Gesetze schreiben vor, was auf Olivenölen drauf stehen darf und was nicht. Laut test hält sich offenbar kein einziger Anbieter daran. Beim Olivenöl der besten Güteklasse muss auf der Flasche sowohl „Natives Olivenöl extra“ als auch „erste Güteklasse – direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren“, zudem ist die Herkunft anzugeben. Nur drei der 26 Olivenöle machten diese Angaben vollständig. Allzu poetische Geschmacksbeschreibungen sind nicht erlaubt, nur die Worte „fruchtig“, „scharf“ und „bitter“ (samt Hinweis: „mittel,“, „intensiv“, „leicht“) dürfen aufbracht werden. Gesundheitsversprechen dürfen die Hersteller nicht aufdrucken, doch hier wird es teils schon absurd: So warb eine Flasche Olivenöl mit dem nicht erlaubten Hinweis „Hilft Ihren Cholesterinspiegel zu senken“, erlaubt wäre laut test nur der Hinweis: „Olivenöl-Polyphenole tragen dazu bei, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen“.

Ab und zu: Schummeln bei der Herkunft.
In unserem Olivenöl-Ratgeber raten wir dazu, auf die Herkunft zu achten – je spezifischer die Region angegeben wird, desto klarer ist die Herkunft. Das gilt aber natürlich nur, wenn die Hersteller hier nicht schwindeln. test prüfte die Herkunft per Laboranalyse und kommt zu dem Ergebnis, dass diese in fünf Fällen die Herkunftsangabe „nicht bestätigt“. Bei einer „Mischung aus Olivenölen aus EU-Ländern“ lässt sich die Herkunft zwar auch im Labor nicht nachweisen, doch im Test gab es nur Öle aus einem eindeutigen Ursprungsland. Nach Durchführung einer Nahinfrarotspektroskopie wurde untersucht, ob deren Ergebnisse die Herkunftsangabe bestätigen; bei großen Diskrepanzen wurde noch ein Geschmackstest durchgeführt. Die Herkunftsangabe bestätigte sich unter anderem nicht bei einem Olivenöl von Alnatura und von Aldi. In einigen Fällen konnte schon dem Etikett entnommen werden, dass mit der Herkunftsangabe etwas nicht stimmt.

Nur ein Olivenöl im Test „gut“

„Gut“ ist nach Ansicht des Magazins test nur ein einziges Olivenöl:

  • Das O-Med Picual Extra virgin olive oil kommt aus Spanien, kostet 40 Euro pro Liter und ist im Feinkosthandel und online zu haben im Shop premium-olivenoel.com, den wir schon in unserem Olivenöl-Ratgeber empfehlen.

Es gibt aber noch einige Empfehlungen:

  • Das Rapunzel Kreta P.G.I., nativ extra aus Griechenland (Chania Kritis) schaffte es als bestes Bio-Ölivenöl auf Platz 5, es ist zu haben im Rapunzel-Shop. Zu einer Abwertung führten hier unter anderem Kennzeichnungsmängel, etwa fehlende Angaben zur Lagerung. Wir würfen es empfehlen, weil bei Bio-Produkten auch von einer nachhaltigeren Landwirtschaft ausgegangen werden kann.
  • Hacienda Iber Arbequina aus Spanien platzierte sich auf Platz 2. Sensorisch schnitt es sehr gut ab, schmeckt also wohl sehr gut, hatte aber laut test ebenfalls Kennzeichnungsmängel.
  • Das von Lidl verkaufte Anorinha Portugal Natives Olivenöl Extra aus Portugal erreichte Platz 3, wird aber von test seltsamerweise nicht bei den Empfehlungen genannt. Der Preis liegt mit 6,40 Euro pro Liter auch verdächtig niedrig.
  • Der ausführliche Test Olivenöl ist unter www.test.de/olivenoel abrufbar.

Muss man sich davon die Lust am Olivenöl verderben lassen?
Nein.
Denn auch wenn die Werte natürlich besorgniserregend sind, beruhigt das Magazin test auf Seite 20 dann doch: „Eine akute Gesundheitsgefahr geht – bei üblicher Verzehrmenge – von keinem der geprüften Olivenöle aus.“

 

Diesen Test können Sie auch hier lesen…